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KREISVOLKSHOCHSCHULE NORDHAUSEN
(historischer Überblick 1919-2009)

 

Bildung und Begegnung – wenn es überhaupt gelingen kann, Volkshochschularbeit mit einem einzigen Motto zu kennzeichnen, dann mit diesem. Wie sollte man anders die volle Bandbreite des sich beständig aktualisierenden Bildungsangebotes und die große Vielzahl der Möglichkeiten zu Erfahrungsaustausch und Kommunikation umschreiben? Ein einziger Blick in das Veranstaltungsprogramm jeder Volkshochschule in Deutschland macht es deutlich: „Wir gehören zum Leben der Menschen dazu!“

In Nordhausen ist das jedenfalls so. Weit über 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen jährlich die Chance, aus den ca. 550 Veranstaltungen etwas Interessantes, Nützliches und Freude Bringendes für sich herauszupicken. Wir haben uns den Anspruch aus den frühesten Tagen der Volkshochschulbewegung bis heute bewahrt, den Zugang zu lebenslangem Lernen für jedermann offen zu halten. Und das nicht nur auf Spezialgebieten und punktuell, sondern generell und flächendeckend. Von Alphabetisierung bis Zeitmanagement ist in der Hauptgeschäftsstelle in Nordhausen oder den Außenstellen Bleicherode, Ellrich und Heringen sowie zahlreichen weiteren Lernorten fast alles zu haben. Eine anspruchsvolle Aufgabe!

Die Volkshochschule erfüllt damit je nach Blickwinkel eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit zum (Weiter-) Lernen nach der Erstausbildung (heute mehr denn je) oder ein individuelles Bedürfnis nach persönlicher Weiterentwicklung. Gerade im letzteren Bereich befinden wir uns da in harter Konkurrenz mit schier übermächtigen Mitbewerbern um Einschalt- und Teilnehmerquoten. Wenn die Volkshochschule ihren Platz in der Mediengesellschaft halten und sogar Positionen ausbauen konnte, so gibt es neben den nüchternen Argumenten um Nutzen und Zugewinn insbesondere eine Erklärung: „Weil’s einfach auch Freude macht, zu gegebener Zeit etwas für sich selbst zu tun.“

So ist die Volkshochschule schon immer. Das glauben Sie nicht? Der Blick in erste Dokumente und Veröffentlichungen bringt Erstaunliches zu Tage. Die meisten Grundsätze und Zielstellungen sind so treffend und aktuell als wären sie gestern aufgeschrieben worden. Im Gründungsaufruf der Thüringer Volkshochschule vom 1. März 1919 heißt es: „Die Erneuerung und Wiederaufrichtung unseres Volkes (= Landes) fordert neben seiner wirtschaftlichen Umformung den Ausbau seines geistigen Lebens und eine Teilnahme aller (…) einer neuen Gemeinschaft aller derer, die nicht nur an ihrer fachlichen Weiterbildung weiterarbeiten, sondern sich auch im späteren Leben trotz der Not des Tages Herz und Kopf offen halten wollen (…)“. Im weiteren Verlauf ist dann von der Freiheit der Lehre, der parteipolitischen und ideologischen Unabhängigkeit, Zugänglichkeit für jedermann, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Bodenständigkeit und Regionalität, Chancenausgleich, Bildungsberatung - aber auch von der Kostenpflichtigkeit bei Teilnahme die Rede: „Der Hörer wird seine Teilnahme bezahlen, wie sie der Lehrer bezahlt bekommt. Es hat sich immer wieder gezeigt, daß ein kostenloses Angebot der Bildung als Wohltat mit Misstrauen angesehen wird und auch nicht den Ernst der Teilnahme erzeugt, den jeder einer Sache entgegenbringt, für die er auch etwas opfert.“


Die Halbjahreskarte kostete damals 10 Mark, die Semestergebühr für Vortragsreihen 20 Pfennig. In Relation gesehen (die Inflation hatte noch nicht begonnen) war das nicht gerade billig. Trotzdem herrschte chronischer Finanzmangel – manche Dinge ändern sich nie …

Nordhausen war von Anfang an dabei! Den Gründungsaufruf selbst hat aber leider kein Nordhäuser mit unterschrieben. Wahrscheinlich war die Entfernung zu den ersten Versammlungsorten in Jena, Weimar und Erfurt damals genau so hinderlich wie heute. Außerdem hatte Nordhausen 1919 nicht nur das Problem einer Randlage zu bewältigen, sondern war ganz und gar „draußen“: Preußisches Staatsgebiet! Man hat sich dennoch der Volkshochschulbewegung in Jena/Thüringen angeschlossen, mit dem sicheren Gefühl, dass hier Geschichte geschrieben wird. Thüringens Avantgarde in Jena und Weimar ging damals daran, mit Unterstützung der Carl-Zeiss-Stiftung Maßstäbe in der Erwachsenenbildung zu setzen.

Im Sommer 1919 liefen die Vorbereitungen an und im November war es dann soweit: Die Volkshochschule der Stadt Nordhausen wurde eröffnet und mit Bekanntgabe der Gründung in der vereinseigenen Zeitschrift am 5. Dezember 1919 offiziell in den „Verband der Volkshochschule Thüringen“ aufgenommen. Der erste Arbeitsplan, gültig von November 1919 bis Juni 1920, wurde veröffentlicht.

 

Erstes Programmheft der Volkshochschule Nordhausen, Format A5, 20 Seiten
Erstes Programmheft der Volkshochschule Nordhausen, Format A5, 20 Seiten
Fachzeitschrift der Volkshochschule Thüringen,
Fachzeitschrift der Volkshochschule Thüringen,

Erstaunlich, was dort auf Anhieb geboten wurde: Immerhin insgesamt 76 Vortragsreihen und Arbeitsgemeinschaften (= Kurse), die in 5 Themengruppen übersichtlich geordnet wurden. Superintendent Hammer referierte 12 Doppelstunden über „Buddhismus und Christentum“, Handelslehrer Oelze vermittelte in 15 Doppelstunden „Kaufmännisches Rechnen“ und Oberlehrer Dr. Silberborth bot in 10 Doppelstunden eine „Einführung in die Dynamik und Morphologie der Erdoberfläche“, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Unterrichtsveranstaltungen begannen immer abends um 6:15 Uhr bzw. 7:50 Uhr. Der Magistrat der Stadt hat seine Volkshochschule vorbildlich mit der unentgeltlichen Bereitstellung von Schulungsräumen in der Kaufmännischen Fortbildungsschule, der Knaben-Mittelschule und der Königin-Luise-Schule unterstützt. Wenn einmal sehr viel Platz gebraucht wurde, dann musste der Vereinshaussaal herhalten. Vermutlich steht heute keines der Gebäude mehr – das Problem kennt man ja in Nordhausen …

„Gebildet ist, wer denken kann was er fühlt – sagen was er denkt – und weiß was er sagt“, lautet ein gern verwendetes Zitat von Grundvig, einem der Vordenker und Wegbereiter der Volkshochschulbewegung aus Dänemark. Die internationale Verbreitung des Volkshochschulgedankens hat von Anfang an geholfen, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Insbesondere steht die Aussage auch für den Anspruch eines möglichst ganzheitlichen Bildungsbegriffs. In der Präambel zur Ortssatzung der Volkshochschule Nordhausen von 1919 heißt es dazu: „Sie soll eine Schule sein, (…die) die ganze Persönlichkeit in ihrem Denken, Fühlen und Wollen erfassen will (…). Ihre Hauptaufgabe ist also nicht, in gewöhnlichem Sinne aufzuklären und Kenntnisse zu vermitteln, sondern zu bilden.


An der Verwirklichung dieser Ideale und Zielstellungen hat man in den Folgejahren intensiv gearbeitet. Von Anfang an wurde auch größter Wert auf Qualität gelegt. Das prozessimmanente Angebot einer kostenlosen und neutralen Bildungsberatung, die Einführung eines Frage- und Beschwerdemanagements sowie systematisch erhobene Statistikdaten zeugen davon. Die Früchte dieser Anstrengungen ließen dann auch nicht lange auf sich warten. Die Volkshochschule wurde immer beliebter.


In Thüringen lag die durchschnittliche Teilnehmerquote bei ca. 5 %. Das war im Ländervergleich ein absoluter Spitzenplatz, allenfalls Niedersachsen konnte noch annähernd Schritt halten. Dennoch gab es lokal gravierende Unterschiede, besonders auch bei der Inanspruchnahme des Angebotes durch einzelne Bevölkerungsgruppen. In Nr.18 der Fachzeitschrift „Blätter der Volkshochschule Thüringen“ heißt es dazu: „Die Beteiligung der handarbeitenden Bevölkerung beträgt in Steinbach-Hallenberg 75 %, in Schmölln 55 %, in Groß-Breitenbach 50 % (…). Orte wie Allstedt, Blankenhain, Kösen, Nordhausen, Gotha und Weimar haben ganz besonders schwer mit der Gleichgültigkeit oder gar dem Misstrauen der selben Schichten, die an den erstgenannten Orten nie wieder auf die Segnungen der Volkshochschule verzichten möchten, zu kämpfen.“


In weiteren Schilderungen wird die Herausbildung unterschiedlicher Strömungen innerhalb der Volkshochschulbewegung deutlich. Besonders Süd- und Nordthüringen setzen zunehmend verschiedene Schwerpunkte. Der Südthüringer Raum wurde stärker von der romantisch-schwärmerischen Jugendbewegung dieser Jahre beeinflusst. Die industrialisierten Städte im Norden fühlten sich mehr dem pragmatisch-nüchternen Ansatz der Arbeiterbildungsvereine verpflichtet. Besonders in Nordhausen wollte man mit einer entsprechenden Angebotsgestaltung wieder Boden bei dieser Zielgruppe gewinnen. Auch hinsichtlich der Institutionalisierung gab es Unterschiede. In Thüringen wurde die Volkshochschule als Verein, frei von jeglicher Reglementierung, bevorzugt. Unsere Einrichtung war von Anfang an in kommunaler Trägerschaft. Vermutlich wechselte die Volkshochschule Nordhausen 1923/24 dann folgerichtig in den Preußischen Landesverband, während andere preußische Städte im Landesverband Thüringen verblieben.

Für ein paar Jahre durfte es mit den Volkshochschulen in Deutschland noch bergauf gehen, dann war es zumindest mit der parteipolitischen Unabhängigkeit erst einmal für einige Jahrzehnte vorbei. Ausgerechnet in Thüringen hat die unheilvolle Entwicklung auch noch früher begonnen als anderenorts, mit der vorgezogenen Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bei den Landtagswahlen 1930. Da war anderen Ländern noch eine kurze Atempause vergönnt. Wirklich nutzen konnte sie niemand. Auch die Versuche durch Satzungsänderungen Freiheit, Pluralität und Antidiskriminierung in der Erwachsenenbildung festzuschreiben, wurden zu bedeutungslosen Hülsen. Am Ende waren auch die Volkshochschulen als „Deutsche Heimatschulen“ gleichgeschaltet.

Einige Jahre später sollte und musste alles anders werden. Welch ein Neuanfang für Nordhausen: Tausende Bürger hatten ihr Leben verloren, die Stadt war zu über 80 % zerstört. Wer kann da an Erwachsenenbildung denken? Man musste an Bildung denken!


Schon unmittelbar in den ersten Nachkriegsjahren wurde an die Planung und Wiederaufnahme systematischer Weiterbildung herangegangen. Bereits 1947 weist die Statistik wieder stark steigende Teilnehmerzahlen aus. Während sonst üblicherweise im Sommer eine sinkende Nachfrage zu verzeichnen war, ist im damals laufenden Trimester die Zahl der Hörer von 434 auf 488 angestiegen. Unter den Bildungsinteressierten waren 335 Männer und 153 Frauen. Gemeinsam haben sie die Entschlossenheit der Bürger zum Ausdruck gebracht, aus den Ruinen ihrer Stadt heraus etwas Neues aufzubauen. Natürlich unter heute kaum noch vorstellbaren Schwierigkeiten. In den Wintermonaten war Ausfall wegen Kohlenmangels Alltag …

In den 50er, 60er und 70er Jahren hatte sich die Volkshochschule wieder ihren Platz im Leben der Menschen zurückerobert. Natürlich war an parteipolitische und ideologische Unabhängigkeit nicht zu denken. Aber man hatte sich mit den Verhältnissen arrangiert und verfügte im bescheidenen Umfang über gestalterischen Freiraum. So wurden z. B. 1970 von-bis-Spannen für die Bezahlung der Dozenten eingeführt. Eigenverantwortlich sollten die vorhandenen Mittel leistungsgerecht und bedarfsorientiert eingesetzt werden. Auf die fachliche und persönliche Eignung der Dozenten, deren Weiterbildung und auf regelmäßige Hospitationen wurde größter Wert gelegt. Die Volkshochschulen in Heiligenstadt, Worbis, Wernigerode und Nordhausen praktizierten auch untereinander Erfahrungsaustausch. Im Schuljahr 1977/78 unterrichteten in Nordhausen 141 Lehrkräfte für 3.697 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.


Neben den Kursen zur Vermittlung von praktisch verwertbarem Wissen und Können gab es den absoluten Programmschwerpunkt „Nachholen von Schulabschlüssen“. In diesen Jahren haben sehr viele Menschen ihr 8.-Klasse-, 10.-Klasse- oder Abitur-Zeugnis über den zweiten Bildungsweg erworben. Die Nachfrage war groß, auch wenn 1980 nicht jeder der 32 Anträge auf Abiturausbildung genehmigt wurde. Weniger groß war das Interesse an den obligatorischen ML-Vorträgen. Denen erging es wie den unzähligen Losungen in weißer Schrift auf rotem Untergrund: Sie waren zwar da, aber wahrgenommen hat sie niemand mehr.

Manchmal konnte die Volkshochschule eine jener Nischen sein, die das Leben etwas erleichtert haben. Hunderte Handwerksmeister entsprechenden Alters im Raum Nordhausen müssten sich eigentlich daran erinnern. Beim Sichten dutzender Klassenbücher von Meisterlehrgängen stellt man sich unweigerlich die Frage, was eigentlich aus dem Deutschen Handwerk im östlichen Teil unseres Landes hätte werden sollen - ohne Volkshochschulen. Das Bildungsangebot war auf diesen Bedarf zugeschnitten und hat viele weiter gebracht …

„Wir sind das Volk“ – heißt es dann 1989. Der vorerst letzte große Paradigmenwechsel in der Volkshochschularbeit kündigt sich an. Plötzlich ist alles anders. Für eine Volkshochschule gibt es in so einer Situation jede Menge zu tun. Die Kreisvolkshochschule Nordhausen wurde dabei wirklich sehr kollegial von Partnereinrichtungen aus den alten Bundesländern unterstützt. In kürzester Zeit wurden zahlreiche neue Lehrgänge konzipiert. Nicht immer war das so übersichtlich wie die bedarfsgerechte Umstellung der Sprachenkurse von Polnisch, Tschechisch und Ungarisch auf Französisch, Spanisch und Italienisch. Die Einführung neuer EDV-Kurse war nicht unproblematisch, obwohl die Volkshochschule immerhin schon seit 1986 über Erfahrungen zumindest im Umgang mit Kleincomputern verfügte. Absolutes Neuland war die Einrichtung einer eigenen Übungsfirma sowie von Vorträgen und Lehrgängen zu den völlig veränderten Rechtsgrundlagen.


Gut, dass wenigstens die materiell-technischen Rahmenbedingungen der Volkshochschularbeit schnell abgesichert werden konnten. Im Oktober 1990 wurde das Gebäude in der Grimmelallee 60 für die Kreisvolkshochschule bereitgestellt. Ab diesem Zeitpunkt hat die öffentlich verantwortete Erwachsenenbildung im Landkreis eine eigene, feste Adresse. Bald darauf wurden die Außenstellen in Bleicherode, später dann in Ellrich und Heringen gegründet.

Das Gebäude der KVHS Nordhausen
KVHS Nordhausen – „hier kommt jeder mal vorbei …“

Am 01.07.1991 wurde die Volkshochschule Nordhausen aus der staatlichen Zuständigkeit wieder in die Obhut des Landkreises übergeben. Ein deutliches Zeichen für die Zugehörigkeit und Identifikation der Bildungseinrichtungen mit ihrer Region (und umgekehrt) war gesetzt. Thüringen hat mit einem fortschrittlichen Erwachsenenbildungsgesetz viel für die positive Entwicklung der Volkshochschulen beigetragen, auch wenn es neben „Allgemeiner Schulbildung“, „Berufsausbildung“ und „Hochschulwesen“ nie für eine gleichwertige vierte Säule „Weiterbildung“ gereicht hat. Manche sagen: „Gut so!“. Die örtlichen Volkshochschulen haben sich durch ihre dezentrale Struktur Flexibilität und Lebensnähe erhalten können, mehr als es den anderen (Bildungs-) Säulen je möglich sein wird.

Nach den turbulenten inhaltlichen Umstrukturierungen zwischen 1990 und 1992 konnte es dann wieder kontinuierlich aufwärts gehen. Anpassungsqualifizierungen für Erzieher, kaufmännische Fortbildungen und Sprachkurse für Spätaussiedler haben die Angebotspalette erweitert. Ab 1993 liegen wieder detaillierte Statistikdaten vor. Danach haben in diesem Jahr 81 Dozenten für 2.811 Teilnehmer 125 Kurse mit insgesamt 12.333 Unterrichtsstunden durchgeführt. In den folgenden 10 Jahren haben sich diese Eckwerte verdoppelt und verdreifacht. Besonders die Zahl der durchgeführten Kurse und Veranstaltungen ist nochmals erheblich angestiegen.


Im traditionell stärksten Fachbereich Sprachen sind Kurse für Französisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch, Latein und zeitweise sogar Arabisch dazugekommen. Das bestehende Angebot für Englisch konnte auf über 30 Parallelkurse erweitert werden. Spezielle Lehrgänge wie Deutsch als Fremdsprache oder Gebärdensprache werden bei Bedarf eingerichtet.


Kultur und Gestalten ist nach wie vor breit gefächert. Floristik-, Keramik-, Mal-, Näh-, Tanz- und Fotokurse gibt es schon längere Zeit. Aber Feng Shui, Didgeridoo, Trommeln, Improvisationstheater und Schreibwerkstätten sind schon etwas Besonderes, oder? Unmöglich, alles aufzuzählen, kein Bereich ist farbenfroher.


Obwohl – ganz schön bunt geht es auch in der Gesundheitsbildung zu. Hier liegt unser stärkstes Wachstumspotential. Neben bewährten Gymnastik-, Fitness- und Rückenschulekursen gibt es auch die Möglichkeit mit Yoga, Tai Chi und Qi Gong fernöstliche Lebensweisheit zu importieren. Nordic Walking entwickelt sich dank der Volkshochschule gerade zum Breitensport und Autogenes Training ist für viele gestresste Mitmenschen d i e Lösung. Und dann kann man bei uns auch noch kulinarisch Kochen sowie mit Vernunft abnehmen – ohne dass dies ein Widerspruch wäre.


Grundbildung und Schulabschlüsse werden nicht mehr so zahlreich an der Volkshochschule nachgeholt wie vor einigen Jahren, doch die Chance zum Erlangen eines Realschulzeugnisses nutzen jährlich ca. 15 Interessenten. Ein anderes Problem dringt dagegen leider erschreckend häufig zu uns durch – Analphabetismus. Glauben Sie nicht, das wäre doch heute kein Thema mehr! UNESCO-Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa 3-4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland nur absolut unzureichend oder gar nicht lesen und schreiben können. Die Kreisvolkshochschule Nordhausen hat von 1993 bis 2003 in 87 Fällen den Betroffenen aus der Region geholfen. Leider muss man von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen.


Im Gegensatz zu manch anderer Branche herrscht im Fachbereich Arbeit-Beruf-EDV der Kreisvolkshochschule Nordhausen immer Hochkonjunktur. Sehr vielen Menschen haben wir den Übergang in die Informationsgesellschaft und in moderne Arbeitswelten erleichtert. Junge Generationen wachsen mit der Benutzung von PC und Internet auf. Denen brauchen wir das nicht mehr in EDV-Grundkursen zu lehren. Spezielle Lehrgänge zu Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbanken, Präsentation, Grafik, Webdesign, CAD und Finanzbuchhaltung werden auch zukünftig gebraucht. Die Halbwertzeit beruflich verwertbaren Wissens sinkt ständig. Das erklärt die beständig hohe Nachfrage in Lehrgängen wie Buchführung, Wirtschaft und Recht, Kosten- und Leistungsrechnung, Bilanzierung und Steuerrecht. Hunderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Grundwissen zur Berufspädagogik und zu Existenzgründungen erworben.


Gepaart mit Alltagswissen und Lebensertüchtigung aus dem Bereich Politik-Gesellschaft-Umwelt ist man dann etwas besser gerüstet für die Anforderungen des Lebens. Vorträge, Buchlesungen, Kurse und Führungen zu Themen wie Geschichte, Recht, Steuern, Pädagogik, Kommunikation, Ökologie und Verbraucherschutz sind allemal interessant und nützlich. Wieder unmöglich, alles einzeln aufzuführen. Wahrscheinlich haben wir hier auch noch mehr zu tun. Angesichts der vielen überteuerten Gebrauchtwagen, unnützen Versicherungen und sinnlosen Geschäftsideen wird das sehr deutlich: Wissen ist eine fundamentale Voraussetzung für Chancenausgleich.

Bild von einem Seminar über Verkerhsrecht
Verkehrsrecht
Bildausschnitt eines Floristiksemniars
Floristik

Aerobic

Spanisch

EDV-Finanzbuchhaltung

Ausbildungsbegleitender Stützunterricht

Allein ist das alles eigentlich überhaupt nicht zu bewältigen. Die Kreisvolkshochschule Nordhausen ist deshalb zur Zusammenarbeit bereit, wo immer es möglich ist. Die florierende Seniorenakademie ist ein Ergebnis. Zusammen mit dem Seniorenbegegnungszentrum werden seit 1999 speziell für diese Zielgruppe aufbereitete Kurse und Veranstaltungen angeboten. Im Prinzip ein repräsentativer Querschnitt durch das gesamte Volkshochschulangebot.

Mit gleicher Intention wurde 2003 die Junge VHS als eigenständiger Themenbereich dem Gesamtangebot hinzugefügt. Speziell auf jugendliche Interessen zugeschnittene Kurse wie Tanz, Sport und PC-Tuning sollen bewirken, dass der Weg neben den anderen lukrativen Zielen gelegentlich auch mal in die Volkshochschule führt. Mutig, nicht wahr? Durch die Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Studienkolleg können wir in der Kreisvolkshochschule Nordhausen sogar internationale Jugendbegegnung bieten. Angehende Studenten aus allen Kontinenten bereiten sich in unseren Sprachkursen auf die Ausbildung im Studienkolleg vor.

"Senioren ans Netz"

„Jugend ans Netz“

Eine vollständige Auflistung aller Dozenten, Partnereinrichtungen, Behörden, Institutionen, Firmen, Vereine und Förderer der Volkshochschule würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Bei allen möchten wir uns gleichermaßen für die bisherige Zusammenarbeit bedanken. Insbesondere danken wir auch den tausenden Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern (allein seit Einführung des elektronischen Datenbestandes 21.000) für das Vertrauen in unsere Arbeit. Alle sind aufgefordert, auch weiterhin die Entwicklung der Volkshochschule aktiv mit zu gestalten.

Organisationsintern hält die Zukunft eine große Herausforderung für uns – die Kreisvolkshochschule Nordhausen – bereit. Wir werden zertifiziert! Mit der Lernerorientierten Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW) wird ein bundesweit gültiges, staatlich anerkanntes Qualitätssiegel vergeben. Der gesamte Prozess der Qualitätssicherung ist dabei auf die speziellen Belange einer Bildungseinrichtung ausgerichtet. Das ist entscheidend, denn kaum ein Vorgang ist so komplex wie das „Lernen“. Mit herkömmlichen Qualitätskriterien ist daher Bildungsarbeit kaum zu greifen.


Wir haben mit großer Sorgfalt das Selbstverständnis unserer Einrichtung definiert. Bitte lesen Sie das Leitbild der Kreisvolkshochschule Nordhausen und messen Sie uns zukünftig an den Aussagen. 2005 haben wir erstmalig und 2009 erneut (als erste Thüringer VHS) unser Gütesiegel erhalten.

Zeitgleich feiern wir unser großes Jubiläum 90 Jahre VHS Nordhausen (1919–2009). Natürlich zieht man an solchen Tagen Bilanz und pflanzt einen Baum. Wir haben uns für einen Ginkgo entschieden – Symbol für Langlebigkeit, Anpassungsvermögen und Weltoffenheit. Wie ließe sich unsere Erfolgsgeschichte anders beschreiben? In neun Jahrzehnten haben tausende Menschen die Volkshochschule genutzt. Viele haben mit dem Nachholen von Schulabschlüssen die Grundlagen für ihre Karriere gelegt, andere haben schon bestehendes Wissen aktualisiert und ergänzt. Wieder andere haben über Sprachen ihren Horizont erweitert – mit oder ohne Reisefreiheit – der Geist ist immer frei. Oder man tut in der VHS etwas für seine Gesundheit, ist kreativ und bildet sich allseitig weiter – immer und zu jeder Zeit war klar

Wir sind für die Menschen da.

Gerhard Tölle
Nordhausen, im Juni 2009